Wie geht Versöhnung? Mediation im Film

Wenn ich als Mediatorin tätig bin, habe ich meist mit Konflikten am Arbeitsplatz zu tun. Strafrechtliche Relevanz spielte dabei noch keine Rolle. Umso interessanter: Welche Möglichkeiten gibt es, um Straftäter und deren Opfer miteinander ins Gespräch zu bringen?

 

Gestern abend fand im Programmkino Ost in Dresden ein Filmabend zum Thema Täter-Opfer-Ausgleich (TOA) statt - „Maixabel - Eine Geschichte von Liebe, Zorn und Hoffnung“ (Spanien 2021, Regie: Icíar Bollaín). Der Film handelt von Maixabel, einer Frau, deren Mann im Jahr 2000 von einem ETA-Kommando getötet wurde. Elf Jahre später trifft sich Maixabel im Beisein einer Mediatorin mit den Mördern ihres Mannes...

 

Was heißt Täter-Opfer-Ausgleich? – Der TOA ist eine besondere Form der Mediation. Es geht darum, dem Täter die Folgen seines Tuns gegenüber dem Opfer zu verdeutlichen, nicht rational, sondern emotional erlebbar. Dies erfolgt im persönlichen Dialog der beiden. Voraussetzung ist Freiwilligkeit der Beteiligten und - gerade auf Täterseite - bedingungslose Ehrlichkeit mit sich selbst. Hinzu kommt: Das Opfer wird aktiv. TOA kann somit dem Opfer helfen, die psychischen Belastungen der Tat besser zu verarbeiten.

 

Vor zwei Jahren hatte ich in der Schauburg in Dresden bereits den Spielfilm „All eure Gesichter“ (Frankreich 2023, Regie: Jeanne Herry) ebenfalls zum Thema Täter-Opfer-Ausgleich gesehen. Dieser Film gibt zunächst einen kurzen Einblich in die Ausbildung der Mediator*innen und zeigt dann die sehr emotionalen Treffen der Opfer von Straftaten (z.B. Handtaschenraub auf der Straße) mit den Tätern.

 

Beide Filme empfehle ich ganz nachdrücklich! Wem? Jedem, der sich mit Konfliktbewältigung befasst.

 

Nach dem gestrigen Kinobesuch war ich dermaßen aufgewühlt vom Film, dass ich nicht in der Lage war, noch an der anschließenden Podiumsdiskussion teilzunehmen. Ich musste eine Runde spazieren gehen, um das Gesehene zu verarbeiten und emotional etwas „runterzukommen“.

 

Danke an alle, die den Filmabend ermöglicht haben – insbesondere ans Programmkino Ost und den Verein für soziale Rechtspflege Dresden e. V.!

Anke Wolfert | Moderation, Supervision, Coaching | Dresden-Neustadt | Tel.: 0152 34 55 61 69 | E-Mail: [email protected]